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SchneetreibenWenn Sie nicht nur Honig genießen möchten, sondern auch mehr über die Lebensweise der Biene, über die Bienenhaltung und ihre aktuellen Herausforderungen erfahren möchten und gleichzeitig überaus spannend unterhalten werden wollen, dann schauen Sie sich „More than honey“ des Schweizer Filmemachers Markus Imhoof an. Ich war jedenfalls begeistert.

Die Bilder über die Bienen sind spektakulär und wunderschön, und die Thematik wird lebendig und authentisch rüber gebracht. Sicherlich, die Probleme erscheinen zum Teil doch etwas dramatisiert und die Zukunft der Biene einseitig düster. Doch wenn man es genauer betrachtet, wird hier der Zustand der weltweiten Imkerei einfach so beschrieben wie er ist, ohne etwas hinzuzufügen oder zu übertreiben. Die Themen Varroamilbe, Seuchen, Bienenimporte, Agrochemie und die Betrachtung der Biene als Bestäubungsmaschine werden an verschiedenen, überaus repräsentativen Beispielen realistisch, sehr bewegend und für jeden verständlich dokumentiert.

PollensammlerinUnd wieder geht ein Bienenjahr dem Ende entgegen. Der Kreislauf schließt sich mit dem Schlüpfen der Winterbienen. Die Sommerbienen absolvieren ihre letzten Sammelflüge nach Pollen und hier und da auch etwas Nektar, um dann nach und nach den Stock den langlebigeren Schwestern zu übergeben. Diese sichern letztlich das Überleben des Volkes durch Überwinterung und dem Durchstarten im Frühjahr. Die letzten Drohnen werden als überflüssige Kostschmarotzer vor den Fluglöchern oder in eine Ecke des Stockes abgedrängt und dem Verhungern preisgegeben. Der Imker hat die Winterarbeiten soweit auch fast abgeschlossen. Die Varroamilbe wurde durch Verdunsten von Ameisensäure in den Bienenstöcken dezimiert und der von den Bienen eigentlich als Winternahrung gedachte Honigvorrat durch Zuckerlösung ersetzt - in unserer Imkerei mit deutschem Rübenzucker biologischer Qualität. The same procedure as every year.

PollenwabeSeit dem letzten Beitrag hat sich, wie anzunehmen ist, doch einiges getan. Inzwischen ist der Frühjahr schon fast vorbei. Bisher hat es das Jahr mit den Bienen und den Imkern nicht besonders gut gemeint. 
In Süddeutschland sind während des Winters ein Drittel der Bienenvölker an der Varroa verendet. Die Imker in der benachbarten Deutschschweiz beklagen 50 Prozent Ausfälle. In den Schweizer Zeitungen wird von Deutschen Imkern berichtet, die ihren Schweizer Kollegen mit dem Schmuggeln von Bienenvölkern unter die Arme greifen wollen. Eine Aktion, die aber von den wachsamen Schweizer Zöllnern aufgedeckt wird - die beschlagnahmten 80 Völker wurden vernichtet. Die Deutschen Bienen könnten ja Parasiten mit ins Land bringen. Als seien die Schweizer Bienen da so sauber, müssen die Helvetier ihr jährliches Massensterben von Bienenvölkern durch die ungenügende Behandlung der Varroa doch selbst verantworten.

Vorsichtiger_Blick_durch_die_FolieNoch weist wenig darauf hin, dass der Frühling im Kommen ist. Die Landschaft zeigt sich in seinem Winterkleid, Schnee, eisige Kälte. Nur hier und da ragen die feinen Spitzen der Krokusse aus dem Schnee - eine der ersten Blüten, welche die Bienen befliegen werden.

Auch wenn es nicht so aussieht, die Honigbienen haben ihre Winterruhe schon hinter sich gelassen. Gefrorenes Kondenswasser unter den Beutendeckeln zeigt, dass in den Bienenvölkern erste Brut gepflegt wird. Noch ist der Brutumfang recht klein, doch steigt dieser stetig. Die Königin in jedem Volk erhöht langsam ihre Legetätigkeit, aber von 1000-2000 Eiern am Tag wie zur Sommerperiode sind sie noch weit entfernt. Die Brut muss von den Arbeiterinnen gepflegt und gewärmt werden. Selbst bei diesen winterlichen Temperaturen „heizen“ die Bienen das Brutnest auf eine Temperatur von 36 °C. An den Rändern der Wintertraube fällt die Temperatur nicht unter 10 °C, dies verhindert ein Erstarren der äußeren Bienen. Und dies alles bewerkstelligt ein Bienenvolk ohne, dass der Imker die Beuten dämmt oder heizt. Das wäre auch völlig unsinnig, unsere heimische Honigbiene kommt gut mit der Kälte zurecht. Eine von der Universität Würzburg durchgeführte Studie („HOBOS“) veranschaulicht dies. Per Messfühler wird die Temperatur innerhalb der Wintertraube eines Versuchsvolkes aufgezeichnet, zu Beobachtung ist eine Endoskopkamera zwischen zwei Wabengassen platziert. Das Besondere und Schöne daran: jeder kann diesen Versuch im Internet live mit verfolgen (www.hobos.de).

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