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OxalsurebehandlungDer Winter lässt doch etwas auf sich warten. Zwar haben die Bienen inzwischen ihre Bruttätigkeit eingestellt, doch gibt es immer wieder Tage mit Flugbetrieb. Von Winterruhe kann also nicht wirklich gesprochen werden. Diese Temperaturen haben auch dazu geführt, dass sich trotz vorangegangener Ameisenbehandlung die Varroa wieder in vielen Völkern ausgebreitet hat.  Der als Reinvasion bezeichnete Wiederbefall der Bienenvölker durch diese gefährliche Milbe rührt einfach daher, dass dieser Schädling liebend gerne auf  den Bienen per Huckepack auf Reisen geht. Immer wieder verfliegen sich hier und da Bienen aus schlecht oder gar nicht behandelten in gesunde Völker. Auch kommt es vor, dass Artgenossinnen stark Varroa geschwächte Bienenvölker überfallen und ausräubern und hierbei nicht nur Honig sondern auch eine Menge Milben als Mitbringsel nachhause mitnehmen. Der warme Herbst hat dieses Wiedererstarken der Varroa in vielen Völkern im Süden und anderen Gebieten Deutschlands gefördert. Aus diesem Grund ist es notwendig die angeratene Oxalsäurebehandlung dringend bald  durchzuführen.
Und nun zu einem anderen, erfreulicheren Thema. Dieses Jahr hatte ich das Vergnügen, eine „Imkerschülerin“ während meiner Imkertouren, aber auch beim Schleudern, Honigabfüllen oder Wachseinschmelzen dabei zu haben. An sich wollte die freundliche Dame nur einen kleinen Einblick bekommen, letztlich ist aber daraus so eine Art Patenschaft  geworden. Und nicht nur sie konnte einiges Interessante und Neue kennen lernen, auch ich profierte enorm von dieser angenehmen Begleitung. Zum Einen ist es einfach schön, das eigene Wissen und Können weiter zu geben. Zum Anderen wurde mir doch durch das Erzählen und Zeigen vieles an meinen „Maßnahmen“ bewusster und sinniger. Und dann war es einfach eine große Hilfe, wenn noch jemand Anderes mit anpackt. Nun hier der Beitrag „meiner Imkerschülerin“:

Heimkehrende_BienenHonig zählt neben Wasser zu den wenigen unverarbeiteten Lebensmitteln, denen nichts zugesetzt oder weg genommen wird. Trotzallem gelangen immer wieder ungewollt fremde Stoffe in diesen „Trank der Götter“. Hierzu haben uns die Medien in letzter Zeit zwei eindrückliche Beispiele geliefert.

Zum Einen mussten im Bodenseeraum neun Tonnen mit Streptomycin belasteter Honig vernichtet werden, im schweizerischen Thurgau an die sieben ein halb Tonnen. Streptomycin wird im Obstbau gegen den als „Feuerbrand“ bezeichneten Pilz eingesetzt. Und da während der Blüte herrliches Frühjahrswetter herrschte haben die Bienen mit dem Nektar die volle Ladung abbekommen, da half auch das Spritzen in den frühesten Morgenstunden nichts. Der Kreis Konstanz ist aufgrund der mangelnden großen Obstanbauflächen von dieser Katastrophe verschont geblieben.

Zum Anderen hat der Europäische Gerichtshof kürzlich ein bahnbrechendes Urteil gefällt: Honig, der mit Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen verunreinigt ist, darf nicht in den Verkehr kommen. Geschädigte Imker müssen solche unerwünschten Rückstände nicht mehr in Kauf nehmen (betrifft natürlich auch andere landwirtschaftliche Produkte). Für dieses Urteil hat ein süddeutscher Imker acht Jahre lang gekämpft. Hiernach dürfte auch ein Großteil südamerikanischen und kanadischen Honigs nicht mehr in unseren Regalen stehen.

Frisch_geschleudertBisher war für mich ein solcher Vorfall nicht vorstellbar gewesen. Warum sollte jemand dies auch tun? Hier und da habe ich von solchen Vorkommnissen gehört, aber dass dies auch Völkern von mir passieren könnte war für mich eher unwahrscheinlich. Bisher ist die Imkerei eher auf Wohlwollen gestossen, ablehnende oder gar aggressive Reaktionen waren mir in Bezug auf die Bienen unbekannt. Sicherlich, viele Zeitgenossen haben vor den Stichen Respekt und teilweise auch Angst, letztendlich überwiegt aber doch das Interesse.

Und das Interesse an der Honigbiene nimmt stetig zu. Immer wieder begegnen uns Artikel, Fernseh- und Rundfunksendungen, die sich mit diesem fleissigen Insekt beschäftigen. Es spricht sich herum, welche Bedeutung unser kleinstes Nutztier für die Bestäubung und den Ertrag von Gemüse-, Obst und Feldkulturen einnimmt und welchen Bedrohungen es ausgesetzt ist. Persönlich erfahre ich dieses Wohlwollen für die Biene auch sehr oft, wenn ich auf die Gesundheit meiner Bienenvölker angesprochen werde und immer wieder Fragen zur Lebensweise der Honigbiene gestellt werden. Sicherlich muss ich auch feststellen, dass viele Menschen Bienen zuerst mit schmerzhaften Stichen in Verbindung bringen und in vielen Fällen gar jede umher fliegende Biene für eine Wespe halten, in Panik meiden oder gar tot schlagen möchten. Interessanterweise sind es aber die oft die eher ängstlichen Zeitgenossen, die gestochen werden. Schweiss, insbesondere Angstschweiss, aber auch Gerüche wie Parfüm oder Alkohol können Bienen zum Stechen veranlassen, und ängstliches Herumfuchteln mit den Armen macht es nicht besser.

Die_ZuchtzellenWie jedes Jahr steht um diese Zeit die Königinnenzucht und die Bildung von Jungvölkern an, also kleiner Völker mit jungen Königinnen. Diese Ableger bilden dann für die nächste Saison den Grundstock für starke, leistungsfähige Wirtschaftsvölker. Bis vor kurzem war ich eigentlich der Meinung diese Arbeit inzwischen recht gut und routiniert zu beherrschen.  Dieses Jahr ist es aber anders gelaufen wie gewohnt. Dabei hatte ich mich an die altbewährten Schritte gehalten und sogar mein Können nicht ohne Stolz zwei Helferinnen demonstriert.  Ich durfte den beiden Damen zeigen wie die Kästen für die Jungvölker aufgestellt, die Waben mit den Bienen eingehängt und die Königinnenzellen zugesetzt werden. Dabei legten die Beiden eifrig mit Hand an und staunten mit mir letztendlich über die schönen Ableger. Es war einfach herrlich. 
Zwei Tage später war von den Früchten unserer Arbeit nicht mehr viel zu sehen. Bei der Kontrolle blickte mir nach dem Öffnen mehrerer Kästen gähnende Leere entgegen. Keine Bienen, nur die einsame Königinnenzelle. In zwei Ablegern sammelten sich aber dagegen bis zum Rand massenweise Bienen. Was war geschehen? Nun, die Bienen hatten bei Tageslicht eine Reihe der Ableger einfach wieder verlassen und sich in den zwei Kisten wieder eingefunden, in denen sie hertransportiert worden waren. Der Duft dieser bekannten Zargen hatte sie wieder angezogen. Die Ablegerbildung ist also diesmal vorerst völlig in die  Hose gegangen. Mein Ärger darüber ist aber bald der (nicht unbekannten) Erkenntnis gewichen, dass es eigentlich die Bienen sind, die hier die Vorgaben machen und nicht der Imker. Trotz aller Erfahrung muss ich mir eingestehen, mein Wissen über diese wunderbaren, kleinen Wesen und ihrer Verhaltensregeln ist einfach noch lückenhaft.

Blick_auf_Schloss_Freudental

Die Blütenpracht explodiert, es platzen die Blüten der Obstbäume auf, in den Wiesen recken sich die gelben Blüten des Löwenzahns und der Raps bekommt schon seinen gelben Schimmer. Es blüht an allen Ecken und Enden, das Frühjahr zeigt sich in voller Pracht. Kein Warten bis man an der Reihe ist, nicht wie sonst zuerst die Forsythien, dann die Kirsche, danach die Birne und mit dem Apfel vielleicht der Raps. Alles auf einmal!

Und die Biene versucht hier natürlich Schritt zu halten. Die Königin steigert ihre Legeleistung und die Bienen schlüpfen in  Massen, die Völker wachsen in enormem Tempo. Die alten Damen, die überwintert haben, machen dem nach und nach wachsenden Bestand an „Sommerbienen“ Platz und beenden ihren Lebenslauf außerhalb des Stocks. Ihre Aufgabe, die Erhaltung des Bienenvolkes über den Winter und der Aufzucht des Nachwuchses für die beginnende Saison, ist erfüllt. Bald sieht sich die Königin nur von jungen, von Arbeitswut strotzenden, aber  kurzlebigen Arbeiterinnen umgeben und in kurzer Zeit  auch von einer kleinen, eher unorganisierten Schar von Männern, den Drohnen.

Der Imker sollte spätestens jetzt den Völkern einen Honigraum aufsetzten. Verschläft dieser aber den Zeitpunkt für eine „Erweiterung“ so können sich die Bienen eingeengt fühlen. Der Nektar wird in allen zur Verfügung stehenden Zellen eingelagert und die Brut „verhonigt“. Hier kommen die Bienen dann schnell auf die Idee, junge Königinnen aufzuziehen, während ein großer Teil des Volkes mit der alten Königin abhaut. Damit verliert der Imker nicht nur eine Menge Bienen, sondern auch die Aussicht auf eine mögliche Honigernte.

Ich möchte gleich zu Anfang dieses Blogeintrags auf eine Veranstaltung des Konstanzer Geschäftes „Glückseeligkeit“ aufmerksam machen. Am 15. und 16. April 2011 findet im Konstanzer Bürgersaal von 9 bis 19 Uhr eine Verkaufs- und Informationsveranstaltung für lokale Waren und Dienstleistungen statt (Einladung). Organisiert wird das Ganze von Michael Meier-Shergill und seinem Glückseeligkeits-Team. Hier können Sie neben anderen überwiegend regional produzierten und gehandelten Produkten auch meinen Honig begutachten und kaufen.

Das_neue_Etikett

Unsere Honigbiene ist gefährdet, dies erfahren wir immer wieder in den Medien. Da ist es wirklich lobenswert, aber auch höchste Zeit, wenn sich auch die Vereinten Nationen dieser Problematik annehmen. Mit ihrem kürzlich veröffentlichten Bericht zeichnet das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (www.unep.org) ein düsteres Bild der jetzigen Lage der Honigbiene. Und es wird auch klar genannt, welche überaus wichtige Rolle dieses kleine Wesen für die Nahrungsversorgung der Menschheit spielt.  Ganz klar wird hier die Bedeutung der Biene als Bestäuberin zum Ausdruck gebracht. Wenn auch die Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten zur Bestäubung vieler Pflanzen unverzichtbar sind, so nimmt die Honigbiene hier doch eine besondere Stellung ein. 71 % der 100 Pflanzenarten, die 90% Prozent der  Ernährung sicher stellen, werden von der Honigbiene bestäubt.  Die UNEP schlussfolgert: Mit der Gefährdung der Honigbiene ist somit auch die zukünftigen Nahrungsversorgung gefährdet. „Der Mensch hat den Irrglauben entwickelt, der technische Fortschritt habe ihn im 21. Jahrhundert von der Natur unabhängig gemacht. Die Bienen zeigen, dass wir in einer Welt mit sieben Milliarden Menschen in Wahrheit viel mehr statt weniger von der Dienstleistung der Natur abhängen“, so UNEP-Chef Achim Steiner.