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Bienenstand_im_Schnee


Die Imker waren vor ein paar hundert Jahren nicht nur gezwungen zuzuschauen wie der Honig aufgrund der aufkommenden Zuckerrübenfarbriken als Süßungsmittel verdrängt wurde.  Der gut bezahlte Absatz von Bienenwachs wurde durch Paraffin und Stearin auch fast zum Versiegen gebracht. Die Zeiten, in denen Bienenwachs  Bestandteil jeder Kerze war und die Stuben der Wohlhabenden und die Kirchen beleuchteten sind vorbei. Heute brennen höchstens zur Adventszeit hier und da ein paar Bienenwachskerzen, ansonsten wird meist doch lieber zur günstigeren Industrieware aus Erdöl (Paraffin) gegriffen, vielleicht auch mal zu den höherwertigen Stearinkerzen (aus Palm- oder Kokosfett). Das Angebot an Bienenwachskerzen ist im Vergleich zum Meer an Paraffinkerzen sehr überschaubar. Es lässt sich aber noch finden, auch bei dem einen oder anderen Imker. Und glücklicherweise gibt es auch einzelne Kerzengießerein und -ziehereien, die sich auf Bienenwachs spezialisiert haben (z.B. www.die-osterkerze.de oder www.beckerkerzen.de).

WintertraubeDer Siebenschläfer hält einen langen Winterschlaf und der Igel bekanntlich auch. Der Frosch verkriecht sich zum Schutz vor der Kälte im Schlamm und die Ameisen ziehen sich in ihren Bau zurück. Und wie überwintern die Bienen? Ist es wie bei den Wespen, Hornissen und Hummeln? Überleben bei den Honigbienen auch nur die Königinnen, ganz auf sich gestellt, in irgendeinem Erdloch oder einer Holzspalte versteckt? 
Man könnte dies annehmen, wenn man wieder im Herbst und Winter in den Medien  von den leeren Bienenkästen hört. Hier handelt es sich aber  meist um das Werk der Varroamilbe, die seuchenartig zahlreiche Völker dahinrafft. Die von der Varroa geschwächten Bienen verlassen eine nach der anderen den Stock, um draußen zu verenden. Oft bleibt nur noch das nackte Wabenwerk im Kasten zurück.
Die Honigbiene überwintert nicht wie ihre Verwandten die Wildbienen oder Wespen als einzelne Königin sondern als ganzes Volk. Auch wenn die Völker im Winter deutlich kleiner sind als im Sommer (5000 – 10000 statt 40 – 70000), so kann auf jeden Fall von einem richtigen Volk gesprochen werden. Die Bienen halten keinen Winterschlaf oder sitzen vor Kälte erstarrt in ihrem Bau. Im Gegenteil, die Honigbienen sind selbst wenn es draußen bitterkalt und stürmisch ist recht aktiv. Hier zeigt sich wieder eine der erstaunlichen und ganz eigenen Verhaltensweisen der Honigbiene.

GourmettippIm Frühjahr und Frühsommer, wenn alles noch blüht und der Tisch reichlich mit Nektar gedeckt ist, interessiert die Sammelbienen nichts anderes als die Blüten. Das Gleiche auch beim „Honigen im Wald“, was meist Anfang/Mitte Juni einsetzt, hier sind sie auch mit dem Einholen des Honigtaus beschäftigt  (Honigtau bei Wikipedia). Versiegt aber ab Ende Juli das Angebot, dann nehmen die Bienen jede Gelegenheit wahr, auch auf anderem Weg an Honig oder Nektar zu gelangen. Und da in der Natur nichts mehr zu holen ist, wird auch außerhalb dieses Bereichs gesucht. So zum Beispiel im Schleuderraum oder im Wabenlager. 

Zurzeit bin ich immer wieder damit beschäftigt Waben einzuschmelzen. Einerseits  erhalte ich so mein Wachs, das ich für die Wachsplatten (sogenannte Mittelwände) brauche.  Zum Anderen verhindere ich durch das Wachsschmelzen die Zerstörung des Bienenwachses durch die Wachsmotte. 
Beim Betreiben des Dampfwachsschmelzers entwickelt sich ein wunderbarer Geruch nach Wachs und Honig. Diesen nehmen die Bienen auf hunderte von Metern wahr. Jedes gekippte Fenster oder jede auch nur kurz geöffnete Tür wird als Einladung betrachtet, an die Duftquelle zu gelangen.  Würde ich den Schleuderraum dann nicht hermetisch schließen, so hätte ich in kürzester Zeit hunderte, vielleicht sogar tausende von Honigbienen im Schleuderraum - das Chaos wäre perfekt.

Standplatz_bei_den_RobinienAuch wenn der Sommer noch im vollem Gange ist und unsereins zurzeit hauptsächlich an Urlaub denkt, so weisen die abgeernteten Stoppelfelder und die meist verblühten Wiesen darauf hin, dass das Wachsen und Reifen zum großen Teil zu Ende ist. Es ist die Zeit der Ernte. Und nicht anders ist es beim Imker. Die letzte Honigschleuderung sollte jetzt erfolgen, es sei denn es wird wie in Gegenden wie dem Schwarzwald oder Bayrischen Wald noch auf eine Weißtannentracht gehofft.  Hier in unseren Gefilden finden die Bienen jedenfalls kaum mehr genug  Nektar, um einen weiteren Eintrag zu erwarten.  

Die Bienenvölker richten sich jetzt auf eine neue Phase des Bienenjahres ein: dem Überwintern.

Die Population in jedem Volk nimmt schon ab der Sommersonnenwende kontinuierlich ab, die Königin hat seitdem ihre Legeleistung langsam reduziert. Schwärme gehen auch nicht mehr ab, da diese bis zum Herbst keine überwinterungsfähige Volksstärke erreichen. Und da mit dem Einstellen des Scharmtriebes auch keine jungen Königinnen mehr schlüpfen und begattet werden müssen sind die Drohnen auch überflüssig.

Edelkastanie_bei_AllensbachMit den Bienen ist es jedes Jahr anders. Man kann sich noch so mühen, Vorbereitungen treffen und Prognosen aufstellen, der Strich durch die Rechnung ist meist das Einzige, worauf man sich verlassen kann.  Wie gut hatte ich doch mit meinen letztjährigen Jungvölkern für dieses Jahr vorgesorgt und gehofft, dass sich die Schwarmstimmung dieses Jahr  in Grenzen halten würde. Nix war‘s, fast jedes Volk hatte sich für das Schwärmen entschieden, egal ob die Königin nun jung oder älter war. Und zum Saisonanfang hatte ich mich noch gefreut wie zahm meine Bienen doch seien. Gestern hatte ich auch ein Lob eines Landwirtes erhalten, was für freundliche Völker ich doch habe. Wenn er beim Mähen mit dem Traktor vorbei fahre, würden die Bienchen ihn vollkommen in Ruhe lassen. In dem Gespräch musste ich mir aber verkneifen, dass ich während der Rapsblüte eine überraschend aggressive Seite der Bienen kennenlernen durfte.  Und vorgestern entdeckte ich wie sich trotz des Absperrgitters im Honigraum eines Volkes ein wunderbares Brutnest befindet. Eigentlich sollte ein Absperrgitter die Königin davon abhalten, in den Honigraum zu gelangen und dort ihre Eier zu legen (Arbeiterinnen sind etwas kleiner als Ihre Königin, sie können trotz dieser Maßnahme weiterhin ungehindert zu den Honigwaben gelangen).  Und dann noch dieser Akazienienhonig, den ich letzte Woche geschleudert hatte – es war kein reiner Akazienhonig. Die Bienen hatte sich entschieden, nicht nur die Akazien zu befliegen sondern auch Honigtau (Waldhonig) zu sammeln.

Kürzlich habe ich einen Bericht über die Schwächung und die letztendlicheDinkelfeld_bei_Heiligenberg_mit_Kormblumen_Mohnblumen_und_Kamille Gefährdung der Honigbienen durch Agrarindustrie, Intensivbienenhaltung und Parasiten gesehen - eine sehr informative, fundiert recherchierte und ansprechende Reportage des Arte Kanals.  In dieser Sendung kam auch ein schottischer Berufsimker zu Wort, welcher nur mit der Schottischen Bienenlandrasse arbeitet. Der Schotte erzählt, wie sich diese Biene im Laufe der Jahrtausende perfekt  an das ungemütliche Klima der Highlands angepasst hat. Neben ihrer besonderen Robustheit habe sie die Fähigkeit, trotz des vielen Regens und Windes erstaunliche Honigerträge zu erreichen.
Wenn ich da an unser diesjähriges Frühlingswetter und meine Bienenvölker denke,  entdecke ich da doch eine gewisse Parallele: Regen, Regen und nochmals Regen und trotzdem Bienenvölker und Honigerträge, wie ich sie mir kaum anders wünschen könnte. Die Bienen hier haben es wohl nicht anders gemacht als ihre Kolleginnen in Schottland: wenn es mal kurz nicht regnet, sammeln was das Zeug hält.

Mohnwiese_bei_AllensbachVor ein paar Tagen konnte ich für dieses Jahr das erste Mal die Honigschleuder anwerfen. Die Bienenvölker im Linzgau haben trotz des verregneten und kühlen Monats Mai eine ansehnlichliche Menge an Rapsnektar eintragen können. Wie der Honig dann die richtige Reife erreicht hatte habe ich den Völkern die Honigwaben nur noch entnehmen und schleudern brauchen.

Doch bevor es soweit war haben die Bienen eine schier unvorstellbare Leistung vollbracht.  Wenn man bedenkt, dass eine Biene in ihrem Honigmagen nur 20 bis 40 Milligramm Nektar transportieren kann und aus einem Volk pro Jahr durchschnittlich 30 Kg Honig geerntet wird, so ist erahnbar welch enormes Potential in einem solchen Bienenvolk stecken muss.  Und in Punkto Sammelleistung ist das noch lange nicht alles. Die Bienen sammeln ja nicht nur  für ihren Vorrat, sondern noch ein Vielfaches an Nektar wird für die Verfütterung an die Brut und dem laufenden Verzehr des ganzen Volkes eingetragen.

RapsfeldDer Mai hat es nach langem Zögern nun doch geschafft, seinem Ruf zumindest teilweise gerecht zu werden und uns Wärme und Sonnenschein zu schenken. Die Bienen freuen sich besonders über den längst fälligen Wetterumschwung. In Massen strömen sie aus ihren Kästen, um nur ja so viel wie möglich an Nektar für die Vorräte einzusammeln.  Am See sind vor allem die Kastanien und Wiesenblumen wie der Wiesensalbei in Blüte. Raps und Apfelbäume sind inzwischen verblüht. Die Birnenbaumblüte ist auch vorbei, doch ist diese mit ihrem geringen Nektarangebot für die Bienen nicht besonders interessant.

Königin in der HandGerade bei den derzeitig herrschenden Wetterverhältnissen neigen viele Bienenvölker zum Schwärmen. Zum Ausfliegen ist es zu ungemütlich, viele Sammelbienen müssen untätig ausharren. Durch massenweises Schlüpfen junger Bienen wird es im Bienenstock zunehmend enger (ein Volk kann bis zur Sommersonnenwende eine Größe von 60000 Bienen erreichen,  die meisten davon Arbeiterinnen, maximal 1000 Drohnen).  Kaum ist es ein wenig wärmer und trockener, kann es passieren, dass ein oder mehrere Schwärme ausfliegen. So ist es mir dann auch vor zwei  Tagen passiert. Glücklicherweise war ich an dem Tag am Bienenstand und habe den Bienenschwarm in einem Baum hängen sehn. Die schöne Bienentraube konnte ich dann gleich in eine eigene Bienenbeute einquartieren. Hierzu wird der Schwarm mit Wasser eingesprüht, worauf sich die Traube zusammen zieht.  Mit einem kräftigen Schlag auf den Ast fällt das Ganze mit einem schweren Plumps in die Kiste. Und wenn der größte Teil des Schwarmes mit der Königin in der nun auf den Boden gestellten Beute drin ist findet sich dann auch bald der Rest  der Bienen ein.

 

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Die ersten Völker sind in Schwarmstimmung. Die Bienen pflegen die ersten Schwarmzellen, aus denen nach sechzehn Tagen Königinnen schlüpfen. Zuvor macht sich die alte Stockmutter mit etwa der Hälfte des Volkes aus dem Staub und bezieht ein neues Zuhause. Dieser kurz beschriebene Vorgang nennt man Schwärmen und ist ein überaus faszinierendes Schauspiel. Unzählige Bienen fliegen wie auf ein Kommando als großer Schwarm aus und sammeln sich vor der endgültigen Herbergssuche an einem Platz in der Nähe des Stockes. Die Luft ist von einem lauten Brausen und Schwirren erfüllt. Das Restvolk kann sich nach dem Schlüpfen einer Jungkönigin nochmals teilen und mit dieser einen weiteren Schwarm abgeben. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die noch nicht geschlüpften Konkurrentinnen von der neuen Regentin in ihren Zellen abgestochen werden – das Schwärmen hat damit ein Ende. Wenn nun der Imker auf der faulen Haut liegt und Pech hat, dann kann aus einem stattlichen, aus allen Nähten platzenden Volk nach knapp zwei Wochen nicht mehr als ein kläglicher Rest übrig bleiben. Das gilt es zu verhindern, wenn Honig geerntet werden soll, denn je weniger Bienen desto weniger Honig.

Um nun die Schwarmstimmung in den Griff zu bekommen habe ich durch Teilen der betroffenen Völker den Bienen den Abgang eines Schwarmes vorgegaukelt. Die Fachleute werden mit dem Begriff „Zwischenbodenableger“ mehr anfangen können. Nach etwa neun Tagen werden die beiden Volksteile wieder vereinigt.

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Ein Blick in die ansonsten fast stockfinstere Wohnung der Honigbienen. Da die Stockbienen unzählige Aufgaben erledigen müssen herrscht hier permanent reges Treiben. Die Brut wird gepflegt, Waben gebaut, der Nektar von den Sammlerinnen entgegengenommen, einlagert und zu Honig verarbeitet. Desweiteren muss der Stock sauber gehalten, die Stocktemperatur geregelt und das Flugloch bewacht werden. Währenddessen sind draußen die Sammelbienen unterwegs und sammeln Nektar, Pollen, Propolis und Wasser.

Nach dem Winter, insbesondere nach einem so langem wie dem letzten, sind die Bienen auf jede Pollen- und Nektarquelle wie z.B. den Weiden angewiesen, die Wintervorräte gehen zu Neige und die neue Brut braucht dringend Nahrung.